Dr. Rudolf Seiters

Seiters

Bundesminister a. D. nd Präsident des Deutschen Roten Kreuzes e.V.

Interview mit Herrn Dr. Rudolf Seiters

(Bundesminister a. D. und Präsident des Deutschen Roten Kreuzes e.V.)


Herr Dr. Seiters, Sie sind Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).
Was verbindet denn das DRK und Lotto?


Die staatlichen Lotteriegesellschaften tragen mit jährlich rund 3 Milliarden Euro viel zur Arbeit der gemeinwohlorientierten Organisationen in Deutschland bei. Auch das ehrenamtliche Engagement beim DRK ist nur möglich, weil es gefördert wird – und daran hat Lotto einen großen Anteil. So konnten in der Vergangenheit mehr als 18.000 soziale Maßnahmen und Projekte unterstützt werden.


Die zukünftige Ausgestaltung des deutschen Lotterie- und Sportwettenmarktes ist derzeit Gegenstand heißer Diskussionen. Was halten Sie von Überlegungen, diesen Markt für private Anbieter zu öffnen?

Eine Öffnung des Glücksspielmarktes in Deutschland hätte erhebliche negative Folgen für fast alle hier tätigen gemeinwohlorientierten Organisationen. Die Mittel, die von den staatlichen Lotteriegesellschaften heute für die Wohlfahrtsarbeit, den Breitensport, die Unfallrettung, den Denkmalschutz oder die Kulturförderung bereitgestellt werden, stünden in einem geöffneten Markt der gemeinnützigen Arbeit nicht mehr zur Verfügung.


Private Glücksspiel-Anbieter engagieren sich doch ebenfalls im Sponsoring-Bereich.

Ja, doch ausschließlich nach dem Prinzip Leistung-Gegenleistung. Das bedeutet, dass bei fehlender Medien- oder Publikumspräsenz auch keine Sponsorengelder fließen. Glauben Sie, dass die kommerziellen Anbieter beispielsweise Altenpflege-Projekte des DRK finanziell fördern würden? Bislang ist kein einziger privater Wettanbieter an uns herangetreten, um uns zu unterstützen. Aus Sicht eines privaten, gewinnorientierten Unternehmens ist die Lage ja auch eindeutig: Projekte, die sich nicht öffentlichkeitswirksam vermitteln lassen, sind auch nicht förderungswürdig. Diese Marktlogik darf im gemeinwohlorientierten Bereich nicht gelten.


Immerhin werden die Mittel, mit denen das Gemeinwohl unterstützt wird, durch Glücksspiele erwirtschaftet. Nicht wenige Experten warnen vor den Gefahren der Spielsucht. Sehen Sie hier keinen Widerspruch?

Die Gefahren der Spielsucht müssen sehr ernst genommen werden. Traditionell gibt es in Deutschland angesichts der Risiken und Gefahren, die vom Glücksspiel ausgehen, eine klare staatliche Regelung. Nur ein staatliches Angebot garantiert, dass der natürliche Wunsch des Menschen nach Glücksspiel in geordnete Bahnen gelenkt wird. Die staatlichen Lotterie- gesellschaften haben in den letzten Monaten – auf der Grundlage einer Selbstverpflichtung mit klaren ordnungspolitischen Zielen – eine ganze Reihe von Maßnahmen zur Spielsucht- prävention in die Wege geleitet. Auch dass seit April diesen Jahres ein unabhängiger Beirat die Lottogesellschaften in allen ethischen Fragen des Glücksspiels berät, gehört zu diesem Maßnahmenbündel. Das über das Internet ständig verfügbare, grenzenlose Spiel- und Wettangebot der kommerziellen Anbieter, bei dem Einsätze im Sekundentakt getätigt werden können, ist je denfalls der absolut falsche Weg. Ein wirkungsvoller Schutz der Verbraucher vor den Spielsuchtgefahren ist dabei kaum möglich.